Die European Association for Training Organisations e.V. (EATO) hat am 26. und 27. Mai 2026 zu ihrem Frühjahrsmeeting bei der DGZfP Ausbildung und Training GmbH in Berlin eingeladen. Rund 40 Mitglieder und Interessenten wirtschaftlich geführter Bildungsunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum nutzten die zweitägige Veranstaltung zum fachlichen Austausch.
Die Begrüßung und Vorstellung neuer Mitglieder erfolgte durch den stellvertretenden Verbandspräsidenten Stephan Otten. Nach der Vorstellung der gastgebenden DGZfP durch Sascha Feistkorn berichteten die EATO-Arbeitsgruppen über ihren aktuellen Stand: Jörg Philippen zur aktuellen Entwicklung der im Raum stehenden Umsatzsteuerbefreiung für Bildungsanbieter sowie Thomas Skowronek zu FernUSG und Sozialversicherungspflicht für freiberufliche Dozenten.
Einen inhaltlichen Schwerpunkt des ersten Tages setzte Prof. Oliver Thomas mit seinem Vortrag zu KI-basierten Lernumgebungen. Der Wissenschaftler und Unternehmer stellte seine eigenen Unternehmen vor, deren Schwerpunkt auf individualisierten, KI-gestützten Lernpfaden für Kundenunternehmen liegt. Thomas warnte vor einem „didaktischen Vakuum“, wenn generative KI lediglich für einfache Quizze oder Standardtexte eingesetzt werde, und plädierte dafür, KI-Systeme konsequent nach fundierten didaktischen Modellen zu parametrisieren. Zentrale Leitlinien seien die Adaptivität von Lerninhalten an Wissensstand, Rolle und kognitive Bedürfnisse der Teilnehmenden sowie eine Symbiose von Technologie und Pädagogik – sogenannte
„Didactic Innovations“ –, bei der Sprachmodelle und Pattern Matching auf mediendidaktische Ziele treffen, um Überforderung zu reduzieren und Motivation zu steigern.
Im weiteren Verlauf des Nachmittags diskutierten Oliver Mostert (GFU), Stefan Noller (HybridAI), Konstantin Elsässer (BITMi) und Reiner Brandt (LPI) auf dem Podium über digitale Souveränität in der Bildungsbranche. Im Nachgang waren sich die Teilnehmenden einig, dass digitale Souveränität in Deutschland weniger an mangelnder Einsicht als an der chronischen Unterfinanzierung von Open-Source-Alternativen gegenüber Marktplayern wie Microsoft scheitert. Da eine geschlossene staatliche Linie hierzulande fehlt, sieht sich EATO in der Pflicht, dieses Vakuum aktiv zu füllen – etwa durch strategische Allianzen wie das Memorandum of Understanding mit dem LPI. Das Plenum erteilte EATO den Auftrag, das Thema durch öffentliche Positionierung und die konkrete Ansprache reifer deutscher und europäischer Hersteller weiterzuverfolgen, um diese als echte Alternativen zu etablieren. Als zentrales Hindernis gilt dabei die „Macht der Gewohnheit“: Ein Wechsel weg vom Microsoft-Ökosystem erscheint erst realistisch, wenn Alternativen überragend funktionieren oder der Leidensdruck deutlich steigt.





Der erste Veranstaltungstag endete mit einer Führung durch den Wissenschaftsstandort Adlershof und einem gemeinsamen Abendessen.
Der zweite Tag begann mit einem Beitrag von Markus Bockhorni zu EATO auf LinkedIn. Nach einer Kaffeepause sorgte Claus Thies mit seinem Vortrag „KI im Team: Co-Evolution vs. Co-Degeneration“ für großen Anklang beim Publikum. Er skizzierte eine praktische Methode, die Arbeitsentlastung durch KI auszubalancieren gegen die potentielle Abhängigkeit von KI Anbietern. Gleichzeitig stärkt sein Ansatz sichtbar Teamstrukturen und Firmendokumentation. Auch Sascha Feistkorn begeisterte die Teilnehmenden mit seinen Gedanken über die Zukunft der Bildung. Die abschließende Diskussion und Zusammenfassung des Frühjahrsmeetings leitete Stephan Otten.